Von:
Petra Nehring

e-matthaeus.de

Große Bögen zu spannen über den Fluss der Zeiten. Darin war Matthäus ein Meister. Er war Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft. Am Ende hatte er eine heilvolle Geschichte zwischen Gott und den Menschen konstruiert. Eine Geschichte, die man mit Fug und Recht verheißungsvoll nennen darf. Denn nichts geschieht zufällig. Sondern hinter allem, was geworden ist, steckt Gott. Und der hält, was er verspricht: Er rettet Menschen. Das ist die Überzeugung des Mannes, den man Matthäus nannte. Er schrieb das Evangelium, das im Neuen Testament an erster Stelle steht.

Es beginnt damit, dass ein Versprechen wahr wird: ein neuer König kommt zur Welt. Jesus von Nazareth, Sohn des Abraham nach 3 mal 14 Geschlechtern. Geboren in Bethlehem und nirgendwo anders, denn es ist die Stadt Davids, des beliebtesten Königs in der Geschichte Israels. “Und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt Gott mit uns.“ Das verkündet der Himmelsbote. Er nennt im gleichen Atemzug die Aufgabe des neuen Königssohnes :„er wird sein Volk retten von seinen Sünden.“ Die ersten Besucher des neugeborenen Königs sind natürlich Ebenbürtige: die Heiligen drei Könige – und nicht ein paar arme Hirten vom Land, wie Lukas erzählt.

Matthäus erzählt eine neue Geschichte mit bekanntem Motiv: die Geschichte vom verfolgten und geretteten Königskind. Wie Mose wird das Jesuskind von Mordplänen der Machthaber bedroht, doch gerettet. Wie Mose wird Jesus Menschen um sich sammeln und ihnen eine neue Lehre ins Herz schreiben. Auch er wird vom Berg aus sprechen „Liebt eure Feinde, damit ihr Kinder werdet eures Vaters im Himmel“ Und er lehrt sie beten: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme..“

Über der Lehre des „neuen“ Mose ist es zum Bruch gekommen. Juden und Christen werden nicht mehr einig. Matthäus weiß das, doch er will das Alte im Neuen „aufheben“ und bewahren. Deshalb ist sein Evangelium voll von Zitaten aus dem Alten Testament. Der Brückenbauer hat begriffen: Jesus ist ein neuer Pfeiler im Bau, doch ohne die anderen Pfeiler kann die Brücke nicht stehen.

Wirklich, Matthäus war ein kluger Bauherr. Aus dem Steinbruch der verschiedenen Erinnerungen baute er ein Lehrgebäude, in dem viele wohnen sollten. Sein Material: das Markusevangelium, eigene Sammlungen und eine Redenquelle. Matthäus hat in der Kirche seinen Ehrentag: den 21. September.

An diesem Tag wird eine Geschichte aus seinem Evangelium vorgelesen. Sie handelt von einem Zollbeamten namens Matthäus. Man nahm lange an, dass dieser Matthäus der Verfasser des Evangeliums gewesen sei. Deshalb sieht man Matthäus auf Gemälden oft mit Winkeleisen, Zählbrett und Geldbeutel ausgerüstet.

Wer Brücken baut wie Matthäus, muss Anfang und Ende verbinden. Am Anfang seines Evangeliums steht ein Stammbaum. Am Ende schickt sein Jesus die Jünger in die große weite Welt hinaus, um zu retten, was zu retten ist. Denn Matthäus glaubt, dass der Immanuel da ist. Gott ist mit uns. „Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“